TuS Berge: „Die Gallier der Bezirksliga“ und ihr spezieller Zaubertrank

Der TuS Berge hat sich in der Fußball-Bezirksliga in einen Rausch gespielt und ist heißer Anwärter auf die vorderen Plätze. Und das, obwohl die Grün-Weißen einen anderen Weg gehen als die Konkurrenz – mit festen Prinzipien und einer besonderen Gallier-Mentalität.
Am Buchbach in Berge kennen sie in dieser Spielzeit nicht das Gefühl, als Verlierer vom Platz zu gehen. Diese Gewinnermentalität schwebt auch am Dienstagabend bei dichtem Nebel über dem tiefen Rasen und ist auf der Sportanlage im hohen Nordwesten des Landkreises Osnabrück unter den hellen Flutlichtmasten förmlich hör- und greifbar. Hier trainiert der Tabellendritte der Fußball-Bezirksliga (41 Punkte, 18 Partien), der sich in Tuchfühlung zu den Top-Teams aus Hollage (47, 21) und Bad Rothenfelde (48, 20) befindet. Ein Blick hinter die Erfolgsfassade des TuS Berge.

Im Kampf um Platz eins: Warum das für den TuS Berge keine Überraschung ist
So nennt es zumindest der Architekt René Wolting, der beim Training durch klare Anweisungen auffällt, gleichzeitig aber eine gewisse Lockerheit versprüht: Mit den Attributen baute der Trainer den TuS nach dem Abstieg in die Kreisliga vor vier Jahren behutsam auf und brachte den Klub nach der direkten Rückkehr in die Bezirksliga kontinuierlich in ruhige Fahrwasser (Platz 7 und 5). In die Top Acht sollte es auch dieses Mal wieder gehen. Nach 18 Partien und nur einer Niederlage, die schon eine gefühlte Ewigkeit zurückliegt (0:2 am 2. Spieltag beim 1. FCR Bramsche), mischen die Grün-Weißen oben mit.

Überrascht von dem Höhenflug sei man beim TuS aber keineswegs, wie Stürmer Patrick Middendorf betont. „Unser Anspruch ist, jedes Spiel zu gewinnen. Es ist keine Überraschung, sondern harte Arbeit“, sagt der 36-Jährige. Zuspruch erhält er vom Fußballobmann des Vereins Ralf Kamper, der diese Position mit David Moormann ausübt: „Dass wir in der Deutlichkeit mit Hollage und Bad Rothenfelde mithalten können, spricht für die Qualität der Mannschaft.“
Zusammenhalt und Zuschauer: Wie beide Faktoren dem TuS Berge Flügel verleihen
„Das trägt jetzt Früchte. Der Zusammenhalt ist hier besonders und wird mit den Zuschauern gelebt“, betont der 29-jährige Mittelfeldmann. Dieses Gemeinschaftsgefühl hebt auch sein Cheftrainer hervor, der bei den Einheiten viel beobachtet und auch selbst eingreift, wenn ihm etwas nicht gefällt: „Wir brauchen auf dem Platz keinen Kreis symbolisieren, weil das hier aus Überzeugung gelebt wird.“ Vor allem die Symbiose mit den grün-weißen Anhängern, von denen immer rund 250 Zuschauer der 3500 Einwohner an den Buchbach pilgern, teilweise eigene Logen-Bänke besitzen und auch Auswärtsduelle zu Heimspielen machen, sei ein Faustpfand für den konstanten Erfolgslauf.

Weniger Gegentreffer und mehr Catenaccio: Warum davon nur die Hälfte wahr ist
Die Saisons zuvor gab es 46 und 48 Gegentreffer, woher kommt nun die Lust aufs Verteidigen? „Wir spielen jetzt kein Catenaccio. Das ist eine Frage der besseren Organisation und Balance“, erklärt Wolting, der mit Kapitän Jost Nehrenhaus und Torwart Felix Lindwehr zwei wichtige Anker in der Abwehr hat. Schon zehnmal spielten die Berger zu Null, ganz nach dem Geschmack ihres Torhüters. „Ich muss kaum etwas machen und sage immer, dass ich hinten den besten Platz habe“, sagt der 30-Jährige.

So viel, dass am Buchbach auch schon öfter das Wort Aufstieg fiel. Kein Wunder, denn ab dem vierten Spieltag stand der TuS immer unter den Top Fünf. „Es ist kein Tabuthema in der Kabine, aber wir müssen einiges dafür tun“, erklärt der Trainer. Noch nie spielten die Grün-Weißen in der Landesliga. Mit dem Thema müsse man sich nun aber befassen, sagt Ralf Kamper.

Gerade wenn die Heimserie am Buchbach hält und die Gewinnermentalität bis zum Sommer den TuS Berge nach oben trägt. Das weiß auch Kamper, der sich der gestiegenen Erwartungshaltung bewusst ist, aber zum Thema Aufstieg betont: „Die Jungs haben erkannt, dass sie nicht schlechter sind und auch die Großen schlagen können. Wir sind die Gallier der Bezirksliga – und wir sind ein Team. Also, warum nicht wir?“


